20.09./21.09. Abreise – Aufenthalt – Ankunft – und irgendein Wort mit B

Ich konnte es selbst kaum glauben, als ich Montagmorgen gegen 5h Ortszeit Sao Paulo als LETZTER ins Bettchen fiel, war ich doch an den anderen Tagen immer der ERSTE gewesen, der seinen gemütlichen Schlafplatz aufgesucht hatte. Da haben sie alle wohl vorher schon ihr ganzes Pulver verschossen. Ich konnte in der letzten Tournacht nicht direkt Schlafen gehen,sondern fuhr mit Cartman erstmal noch eine befreundete Journalistin nach Hause (Cartman:“onlyfive minutes from here“). Nach einer Stunde waren wir dann wieder zurück und ich bin mir sicher jetzt JEDEN Stadtteil von Sao Paulo einmal kennengelernt zu haben. Wir unterhielten uns dann noch, wollten noch einen letzten Vodka trinken und landeten schließlich auf der untersten Terrasse; ich in der Hängematte, Cartman auf dem Tisch liegend und plauderten über die Tour und das dort Erlebte. Die Zeit verging wie im Flug, und nicht nur benebelt von dem Ausblick

auf Sao Paulo bei Nacht, legte ich mich scließlich pünktlich zum Sonnenaufgangin meine Matratze, die nach den drei Wochen nun endgültig die Form meiner embryonale Schlafposition angenommen hatte.
Nach einer kurzen Nacht schleppte ich mich aus dem Bett, ging duschen und packte meine Sachen. Soup und David waren schon auf den Beinen; Christian und besonders Damian taten sich da schon etwas schwerer. Christian durfte an diesem Tag auch mal etwas fertiger aussehen. Ihm gebührt mein ganzer Respekt. Das erste Mal mit einer Band überhaupt auf Tour, dann auch noch Brasilien und dann habe ich kaum ein missmutiges Wort von ihm gehört. Ich glaube von uns Allen hat er am wenigsten gejammert.
Nachdem wir es dann endlich geschafft haben, alles zu packen und uns fertig zu machen, hat Cartmans Mama noch versucht uns mit einem Essen – bestehend aus Reis und Bohnen – zu verführen. Wir lehnten dankend ab, da es unverantwortlich gewesen wäre Davids Herz weiter zu strapazieren, hätten wir uns noch länger in Cartmans Haus aufgehalten, anstatt pünktlich zum Flughafen zu kommen. Also mal wieder die Autos bis auf den letzten Winkel vollgepackt und auf zum Airport. Dort ging die Verabschiedung dann gewohnt herzlich zu, und ich glaube jeder von uns hatte feuchte Wangen nachdem uns  Cartmans Mama verabschiedet hatte – wir werden sie auch sehr vermissen!
Mit Gepäck bewaffnet suchten wir unsere Airline zum Check-In, um kurz danach die Suche nach einer guten Flasche Sekt aufzunehmen, die wir als Ritual vor jedem Flug zu trinken pflegen. Als wir bei der Security unsere Ausweise vorzeigen mussten, zögerte eine Dame vom Aufsichtspersonal nicht uns anzusprechen, und ein Foto mit uns zu verlangen. Ich war gerade durch die Kontrolle, als ich mitbekam, wie die junge Dame etwas von Band, MTV Brazil und Show erzählte, als ich begriff, dass sie uns meinte, weil sie uns wohl aus dem brasilianischen Musikfernsehen kannte. Ich konnte es kaum fassen, da wurden wir tatsächlich am Flughafen angesprochen, weil uns jemand aus dem Fernsehen erkannt hatte.
Diesen „Schock“ mussten wir erstmal bei einer guten (und vor allem teuren) Flasche Sekt verkraften. Doch nicht genug, kam die besagte junge Dame mit einem Kollegen im Schlepptau wieder auf uns zu und als ihr Kollege uns sah, schien auch er uns zu kennen und wir posierten abermals für ein Foto.  Spätestens hier wurde klar, dass bei allem Heimweh, was sich über die letzten drei Wochen angestaut hatte, wir Brasilien auf jeden Fall vermissen werden.
Das übliche Prozedere bestehend aus Gate suchen, Gate finden, warten, Gate öffnet, warten, Flugzeug betreten dürfen, Sitz finden etc. zog nur so an mir vorbei, sehnte ich mich doch nach einem kuscheligen Platz. Den sollte ich auch bekommen, mitsamt Kopfkissen, Decke und Entertainmentsystem ausgestattet. Also ab ins Filmland und danach ab ins Träumeland.
Der Flug verging – nunja wie soll ich es sagen – wie im Flug. Nach ein paar Filmen, leckerem Essen, kühlen Heineken/Grolsch und ein, zwei Tüten Schlaf wachten wir in London wieder auf. Dort zogen wir dann ein paar Schleifen über den Flughafen; ganz zur Belustigung von Damian, der auf dem Monitor den Flug verfolgte und dort eine saubere „Peniszeichnung“ erkennen konnte (Respekt an den Piloten).
quasi 21.09
Nach einer sanften aber verspäteten Landung machten wir uns  daran, zügig den Weg zum nächsten Gate und somit zu unserem letzten Flug  nach Amsterdam anzutreten. Dort angekommen war ich der erste in der Reihe, zeigte mein Ticket und wurde freundlich gebeten einen anderen Schalter aufzusuchen, weil wir zu spät dran seien, um Security und Check-In rechtzeitig passieren zu können. Wir schauten uns alle verdutzt an, kapierten aber schnell, dass der Flug, den Soup extra mit so wenig Aufenthalte wie möglich gebucht hatte, ja zu spät gelandet war und wir dadurch jetzt zu viel Zeit verloren hatten. Mit einem Mal wurde uns allen schlagartig klar, dass wir diesen Flug nicht mehr antreten konnten. Wir gingen zum gegenübergelegen Schalter, und Soup, dessen Stimmung kurz vor Gefrierpunkt war, versuchte nicht ausfallend zu werden, als der durchaus nette Mann am Schalter uns einen Flug für 16h anbot. Ziemlich genervt und von British Airways noch mit einem Gutschein abgespeist, gingen wir in die Richtung, die uns der Herr am Schalter gezeigt hatte entlang, mit der Hoffnung den Flughafen eventuell verlassen zu können, um die Zeit vielleicht noch für einen Kurztrip nach London nutzen zu können. Wir landeten im Security-check und ich spulten unser Kram-Ausziehen-und-alles-aufs-Band-legen-Programm ab. Dies endete damit, dass Damian halbnackt (Socken durfte er anlassen) abgescannt vor mir stand. Das hebte die Stimmung bei mir um ca. 0,5%, dank meinem Sinn für Schadenfreude.
Soup, Christian und Damian gingen nikotintechnisch nach dem 12Std-Flug auf dem Zahnfleisch und „Ich will einfach nur noch eine Rauchen!“ stand bei Ihnen ganz oben auf der Liste. Doch egal, wohin wir gingen und wen wir fragten, war überall das Ergebnis, dass wir den Flughafen nun nicht mehr verlassen durften und es hier auch keine Gelegenheit für  Raucher gäbe. Spätestens jetzt konnte man bei Soup schon die Wutadern auf der Stirn zählen. Nicht nur, dass wir hier festsaßen, nein, es gab auch KEINE Möglichkeit zu rauchen.
Resigniert suchten wir uns einen Platz zum Schlafen und legten uns schließlich auf unser Hab und Gut irgendwo zwischen die Leute, die beschäftigt durch die Halle eilten.
Ich wachte immer wieder auf, konnte die Zeit letztendlich aber doch ganz gut mit Schlafen überbrücken. Gegen 14h lösten wir unseren Gutschein dann noch gegen leckeres chinesisches Essen ein, gingen danach wieder Pennen und suchten – diesmal pünktlich – später unser Gate auf, um dann gegen 15:50h endlich boarden zu können.

Jeder von uns wollte nach dem langen Aufenthalt einfach nur nach Hause und so ließen wir noch diesen einen Flug über uns ergehen, um dann endlich in Amsterdam vom Shuttlebus zu unserem Bandbulli gebracht werden zu können und von dort aus dann noch die Heimreise nach Deutschland anzutreten. Natürlich nicht, ohne vorher den Süchtigen noch beim Rauchen von unzähligen Zigaretten zuzuschauen, die sie sich genussvoll anzündeten, nachdem sie aus dem Flughafen gespurten waren.  Unterwegs malten wir uns alle aus, was wir zu Hause wohl als erstes tun sollten. Es ist ja immer die schwierige Entscheidung zwischen erst Duschen, dann Essen oder umgekehrt, von der Option zunächst einmal mit der Liebsten über die Reise zu berichten mal ganz abgesehen.
Nach einer Autofahrt, die mir wie eine Ewigkeit vorkam, überquerten wir die Grenze nach Deutschland und kamen gegen 22.30h am Proberaum an. Damian stürzte sich direkt auf sein Drumset, das er die drei Wochen Brasi-Euqipment offensichtlich stark vermisst hatten. Wir bepackten Christian´s Auto mit unserem Kram, quetschten uns ganz brasilike mit Koffern zugestellt hinein und nun ging für mich die Reise direkt Richtung Heimatstadt Aachen.
Für Soup und Christian ging es weiter nach Köln wo die Reise nah zich stunden endete.

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